Empfangen und Senden

Blütenblätter im Wind


Du staunst, wenn ich Dir dies sage: Empfangen wollen und empfangen widersprechen sich. Stell Dir einen alten Radioapparat vor, Freund. Seine Röhren glühen, um zu empfangen, was da im Äther ist. Seine Räder kreisen, drehen die alte zuverlässige Mechanik, um endlich den Sender zu finden, der aus seinem Lautsprtechen tönen soll. aber da ist nichts. Das ganze Universum scheint zu schweigen und alles Glühen und Drehen hilft nichts. Vielleicht liegt es an der Antenne? Richten und wenden, verkürzen und verlängern wir sie, aber wieder nichts. Nur Rauschen. Ferne Meereswogen, die an die elektronischen Ufer branden, aber nichts, was zu hören, nichts was zu verstehen wäre.

Nun, ich habe keine Not im Moment, denkst Du. Ich leide nicht an der Hoffnungslosigkeit, nicht an der Liebe, nicht am Leben, nicht am Tod. Was also sollte ich da empfangen? So tröstest Du Dich und wendest Dich anderen Beschäftigungen zu. Du lenkst Dich ab um die zarte Sehnsucht nicht zu spüren, die hin und wieder wie ein einzelnes Blütenblatt vom Wind getrieben durch Dein Herz zu schweben scheint. Dir geht es gut, denkst Du, und so ist auch, was soll mir da diese lästige kleine Sehnsucht?



Darf ich Dir einen Vorschlag machen? Freue Dich über Deine Sehnsucht, Deine Empfangsbereitschaft, sie zeigt, dass Du am Leben bist. Im Geiste wie im Leib. Denn ohne dieses Sehnen, so zart es sein mag, wärest Du versunken in der Welt, wie in einem Moortümpel. Aber Du sollst nicht versinken in ihr sondern immer aufs neue einsinken und wieder hervor kommen. denn tätest Du dies nicht, wärest Du nicht auf Deinem geistigen Weg durch die Welt. Wisse Freund, dass die Momente des Eingesunkenseins das gleiche Glück in sich tragen wie das Schweben über allen Dingen, denn nur so kannst Du ganz sein. Du bist ebenso Materie wie Geist und kannst nicht mehr nur eines sein im Moment. So verläuft Dein Leben in Wellen des Eintauchens und Emporkommens. Wenn Du aber ganz eigetaucht bist in die Welt, wirst Du die geistigen Sphären nur als fernes Rauschen hören, tauchst Du aber wieder auf, wird die Welt und ihre Notwendigkeiten zurücktreten und Du wirst die ersehnten Stimmen klar vernehmen und wieder eine Sehnsucht nach der Festigkeit der Materie spüre, so wie Du Dich jetzt nach dem Geist sehnst.

So ist es, wenn Du die Sphäre der Ausschließlichkeiten verlassen hast. Gewöhne Dich daran, denn es ist Deine Straße und du wirst nicht mehr abweichen, auch wenn Du immer wieder von neuem die Seitenpfade beschreitest. Wärest Du noch in der Lage, nur im einen oder im andren zu sein, glichest einem geworfenen Stein, der nicht mehr von seiner Bahn kann.