Erwachen

Wind und Wasser


Von Augenblick zu Augenblick wandelt sich Dein Empfinden der Gegenwartszeit, Freund. Wie in einem Boot auf stürmischer See steigst Du die Welle hinauf und fällst wieder in das Wassertal, bist auf dem Kamm Deiner Woge, schaust Du auf Dein wild bewegtes Lebensmeer, stürzt Dich hinab in das nächste Tal mit großem Mut oder großer Angst . Wieder ragt eine neue Wasserwand vor Dir auf, die doch nicht über Dir zusammenstürzt, sondern Dich emporträgt zum nächsten Gipfel und Du hältst Dich fest am Bordrand, Nun, Freund, Du wirst die Wogen nicht glätten, die Du selbst geschlagen hast, aber Du kannst Deinem Boot vertrauen. Lege alle Furcht ab. Halte Dich fest und schaue.

Denn Du bist ein Erwachender. Einer der ausgezogen ist, das Fürchten zu VERLERNEN. Lange hast Du in unbewegtem Wasser ruhig Deine Spur gezogen. Schläfrig saßest Du an den Mast gelehnt. Dein Herz war ruhig und Dein Geist schlief. Bis die Unzufriedenheit in Deinen Träumen erschien und Du Dein inneres Auge zu öffnen begannst. Und das war der Moment, in dem Dein Boot durch die Zeit fiel, durch die Dimensionen in diesen, in Deinen Ozean, der jetzt Deine Heimat ist. Sieh Dein Segel, wie es vom Wind zum Zerreißen gebläht golden in der Sonne leuchtet, sieh das wirbelnde Wasser am Heck Deines Bootes und die aufschäumende Bugwelle, die dich mit Ihrem feinen Nebel nässt. Fern hinter Dir in einer anderen Welt liegt das ruhige Wasser. Nun gilt es, die Ruhe in Dir, im Tosen und Voranstürmen zu finden.

Auch vergrabe nicht Dein Gesicht in den Händen, wenn Du am Ziel zweifelst. Denn so wie Du vorher in dem Gleichmaß Deiner Tage steigende Unzufriedenheit merktest, so kommen Dir jetzt immer wieder Zweifel am
Sinn Deiner Sturmfahrt und Du fragst Dich, wofür Du die vielen blauen Flecken erduldest und die Ruhelosigkeit, die Deine Fahrt verursacht. Du sehnst Dich sogar zurück nach der spiegelnden Oberfläche Deiner unbewegten See, die Du verlassen hast.

Ich sage Dir aber, schaue in Dein Herz und nimm den Unterschied wahr. Erkenne für Dich, wie anders es sich anfühlt. Lebt es nicht jetzt, auch wenn es oft weh tut? War es nicht vorher erstarrt in Unbewegtheit während Du glaubtest, dies wäre die Ruhe der Weisheit?