Leere
Schnee, Felsen und Eis
So gibt es Momente, Freund, an denen scheint Dein Herz gefroren und Du blickst nicht auf ein wogendes Lebensmeer sondern auf eine endlose Eiswüste. Um Dich herrscht tiefe Stille, kein Windhauch spürst Du, keine Schneeflocke siehst Du fallen, über Dir weitet sich grauer Himmel und diffuses, fast schattenloses Licht beleuchtete unbewegt diese Ödnis. Auch die Flüsse sind erstarrt zu glasharten Bändern, Felsen, von einer matten Eisschicht überzogen, unterbrechen ihr Stillehalten nur scheinbar. Keine Spur von Leben siehst Du hier, am kältesten Platz Deiner Welt.
Ist dies die innere Leere, die Du mehr fürchtest, als den Schmerz, die Unruhe, die Unzufriedenheit, den Zorn, selbst die verzweifelte Todessehnsucht? Denn all dies würde auf seine Weise Leben bedeuten. Du aber glaubst Dich umgeben vom Tod, der vollkommenen Bewegungslosigkeit.
Aber ist es so? Wer hat Dir gesagt, die Bewegungslosigkeit sei der Tod, die Kälte die Erstarrung und der Tod sei nicht das Leben?
Ohne Schatten ist kein Licht, ohne Tod kein Leben und ohne Stillehalten kann keine Bewegung sein.
Du bist nicht am Ort der Erstarrung, Freund, Du bist am Ort der Lösung. Denn hier in dieser eisglitzernden Welt ist der Beginn Deines Seins. Dies ist der Raum, an dem keine Zeit ist aber die Zeit entsteht, in dem keine Bewegung ist aber die Quelle aller Bewegung, es ist der Raum hinter allem Sein.
Nein, er lädt nicht zum Verweilen ein, Du bewegtes Wesen in den Welten von Materie und Geist, Du frierst zu Recht und begehrst Wärme. Aber fürchte Dich nicht, denn Du wirst hier nicht verweilen.
Du siehst dies, damit Du begreifst, inne hältst für einen Moment und in der Stille Dein Staunen findest.